Gesundheitsnews


Die Quadricepsmuskulatur lässt sich mit und ohne Geräte stärken.

Herzinfarkt überstanden? Jetzt heißt es, die Beinmuskulatur zu trainieren. Denn Personen mit viel Kraft in den Beinen entwickeln nach ihrem Herzinfarkt seltener eine Herzschwäche.

Oberschenkelmuskulatur spricht Bände

Wer einen Herzinfarkt überstanden hat, bekommt danach häufig eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Je früher man diese erkennt, desto besser lässt sich gegensteuern. Japanische Forschende haben jetzt einen Risikofaktor entdeckt, anhand dessen man Gefährdete identifizieren kann: die Kraft in der Oberschenkelmuskulatur.

Für ihre Studie prüften sie bei über 900 Patient*innen mit Herzinfarkt, aber ohne Herzinsuffizienz, die Kraft in deren Quadrizepsmuskulatur. Das ist der große vierköpfige Muskel am Oberschenkel, mit dem man das Bein im Knie streckt und in der Hüfte beugt. Nach in Relation zum Körpergewicht gemessener Kraft wurden die Männer und Frauen jeweils in zwei Gruppen eingeteilt: diejenigen mit geringer und diejenigen mit hoher Beinkraft. Im Mittel betrug die Kraft bei den Frauen 33% des Körpergewichts, bei den Männern 52%.

41% geringeres Risiko

In der Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 4,5 Jahren entwickelten 7% der Infarktpatient*innen eine Herzinsuffizienz. Diejenigen mit hoher Beinkraft wurden seltener herzinsuffizient als diejenigen mit wenig Kraft im Oberschenkel. Nach Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren für eine Herzschwäche (z.B. Angina pectoris, BMI, periphere Verschlusskrankheit) hatten die beinstarken Patienten ein um 41% geringeres Risiko, herzinsuffizient zu werden. Mit jeder Steigerung der Kraft reduzierte sich diese Gefahr weiter, berichten die Forscher*innen.

Beine kräftigen beugt vor

Die Quadrizepskraft lässt sich in der Praxis leicht messen, kommentiert Studienautor Kensuke Ueno. So kann man die Patient*innen identifizieren und nachbeobachten, deren Risiko für eine Herzinsuffizienz hoch ist. Nach überstandenem Herzinfarkt rät er Betroffenen außerdem zu Krafttraining. Denn wer seine Quadrizepsmuskulatur stärkt, scheint einer Herzinschwäche nach Herzinfarkt vorzubeugen.

Quelle: Springer Medizin

28.05.2024 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski | Foto: mauritius images / Evgeny Haritonov / Alamy / Alamy Stock Photos


Besser schützen als schminken: Spezielle Lippenstifte halten gefährliche UV-Strahlung ab.

Sonnencreme gehört im Sommer für die meisten zur Grundausstattung. Doch kaum jemand denkt daran, auch die Lippen vor UV-Strahlung zu schützen. Dabei ist die empfindliche Lippenhaut ganz besonders gefährdet.

Wenn es schon brennt

Sonnenstrahlung in zu hoher Dosis ist gefährlich für die Haut – da bildet die Haut der Lippen keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil: Da sie sehr dünn ist, ist sie besonders empfindlich gegenüber UV-Strahlen. Hinzu kommt, dass die Haut der Lippen kein Melanin produziert. Der körpereigene Farbstoff sorgt am restlichen Körper für das Braunwerden und so zumindest einen ganz natürlichen Kurzzeit-Schutz vor Sonnenstrahlung.
Ob Ihre Lippen tatsächlich Sonnenbrand haben, merken Sie spätestens, wenn die Lippen schmerzen, rot und spröde sind. Dann dauert es bis zu zwei Wochen, bis sich die Haut wieder völlig regeneriert hat. Unterstützen lässt sich der Heilungsprozess durch die gleichen Maßnahmen wie beim normalen Sonnenbrand:

  • Kühlen: Besonders gut eignen sich dafür kühle Kompressen, Quark oder kühlende Gele.
  • Entzündung hemmen: Einen natürlichen antientzündlichen Effekt haben Gurken, die man in Scheiben auf die Lippen legt.
  • Feuchtigkeit: Cremes mit Hyaluronsäure oder Aloe Vera spenden der angegriffenen Lippenhaut viel Feuchtigkeit.

Besser vorbeugen

Vorbeugen ist immer besser als behandeln – vor allem, weil Sonnenbrand auch an den Lippen die Entstehung von Tumoren begünstigt. Im besten Fall hält man die Sonneneinstrahlung komplett von den Lippen fern. Sonnenschirme, aber auch Hüte mit breiter Krempe schützen das Gesicht zuverlässig. Ansonsten gilt wie am restlichen Körper: Wer sich länger als 15 Minuten in der Sonne aufhält, sollte reichlich Sonnenschutzmittel auftragen. Für die Lippen besonders gut geeignet und praktisch sind Lippenstifte aus der Apotheke. Beim Kauf ist es wichtig, auf einen ausreichend hohen Lichtschutzfaktor und auf Angaben zum Schutz vor UV-A und UV-B-Strahlen zu achten.
Wichtig ist auch, den Schutz regelmäßig zu erneuern. Durch Schwitzen, Ablecken der Lippen, Trinken oder Essen werden die Inhaltsstoffe schnell wieder abgetragen.

Übrigens: Auch Herpes wird durch Sonneneinstrahlung reaktiviert. Wer immer wieder unter den lästigen Bläschen leidet, profitiert also ganz besonders von einem guten Sonnenschutz.

Quelle: PTA heute 10/21


27.05.2024 | Von: Sara Steer | Foto: Westend61/imago-images.de


Beim Hämolaser wird das Blut gelasert

Ob gegen Long-COVID, Hepatitis, Depressionen, COPD, Arthrose oder Neurodermitis – Anbieter von Hämolasern behaupten eine Wirkung gegen eine Vielzahl von Erkrankungen. Was ist davon zu halten?

Laser im Blut

Hämolasern – das bedeutet, dass eine Kanüle in eine Vene der Patient*in gelegt wird. In der Kanüle befindet sich jedoch kein Medikament, sondern eine Glasfaser. Über diese wird das Blut der Patient*in mit gebündeltem Licht - Laserlicht - beleuchtet. Diese Laserbehandlung soll den Stoffwechsel regulieren und rote Blutkörperchen elastischer machen. Wie genau, dazu finden sich von den Anbietern keine Angaben.

Kaum Studien zum Hämolaser

Um eine Wirkung belegen zu können, muss eine Behandlungsmethode gegen andere Methoden verglichen werden oder gegen Patient*innen, die gar keine Behandlung erhalten. Die Webseite medizin transparent hat nach solchen Studien recherchiert und diese unter die Lupe genommen. Für den Hämolaser konnten nur drei Vergleichsstudien gefunden werden. Alle drei Studien weisen gravierende Mängel auf. So ist in allen Studien die Anzahl an Teilnehmenden zu klein, um eine Wirkung zeigen zu können – denn bei einer kleinen Patientenzahl spielt der Zufall eine zu große Rolle. Auch wussten die Patient*innen, mit welcher Methode sie behandelt wurden. Eine darauf folgende Heilungserwartung, der Placebo-Effekt, wurde in den Studien also nicht ausgeschlossen. Und zuletzt nannte keine der Studien einen nachvollziehbaren Mechanismus, auf welche Weise der Hämolaser den Körper überhaupt beeinflusst. Fazit: Erkrankungen sollte man lieber nicht mit dieser Methode behandeln lassen, denn eine Wirkung konnte in keinem Fall gezeigt werden.

Vorsicht bei Versprechungen

Und überhaupt: Bei jeder Behandlungsmethode, die eine Linderung bei einer Vielzahl von Erkrankungen verspricht, sollten Patient*innen skeptisch werden. Denn die eine Behandlung gegen alles gibt es nicht. Der Wirkmechanismus einer Methode, die sowohl Haut-, Gelenk- und Leberkrankheiten, Durchblutungsstörungen und vieles weitere behandeln können soll, ist kaum vorstellbar. Das gleiche gilt, wenn Behandlungsmethoden völlig nebenwirkungsfrei sein sollen. Denn fast alles, was wirkt, hat auch Nebenwirkungen.
 
Quelle: medizin transparent

24.05.2024 | Von: Dr. med. Tobias Höflein | Foto: mauritius images / Pitopia / pahham


Curly Horses sind von der Kruppe bis zum Kopf gelockt.

Curly Horses sind eine spezielle Pferderasse, die für ihr lockiges Fell bekannt ist. Sie sollen weniger allergen sein als andere Pferde – was jedoch heftig diskutiert wird. Jetzt gibt es Hinweise, dass Curly Horses tatsächlich für Allergiker*innen geeignet sein könnten.

Locken und Kringel von der Kruppe bis zum Kopf

Ein bisschen sehen Curly Horses aus wie Pudel auf vier Hufen: Ihr Fell ist nämlich ähnlich stark gelockt, und zwar von der Kruppe bis zum Kopf. Die Herkunft der nordamerikanischen Rasse ist unklar. Aber ob sie nun von russischen Siedlern mitgebracht wurde oder eine Mutation einheimischer Pferde ist – die Tiere gelten als robust, ausdauernd und hypoallergen.

Vor allem aufgrund der Hypoallergenität werden sie gerne als Alternative für pferdeallergische Reiter*innen empfohlen. Bisherige Studien sprechen allerdings dagegen, dass die Lockenpferde weniger Allergien auslösen. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2018 fand man in ihren Hautschuppen sogar mehr Allergene als in denen anderer Pferderassen. Trotzdem berichten Pferdeallergiker*innen immer wieder, dass sie beim Umgang mit Curlys keine allergischen Beschwerden wie Kurzatmigkeit oder Luftnot haben.

Mit Lungenfunktionstest auf dem Reiterhof

Jetzt haben sich Forschende erneut der Frage angenommen. Sie wollten herausfinden, wie sich der regelmäßige Kontakt zu Curly Horses auf die Atemwegsbeschwerden von Menschen mit Pferdehaarallergie auswirkt. 141 Betroffene kamen regelmäßig auf einen Pferdehof, um dort Curly Horses zu putzen und zu reiten. Während des Umgangs mit den Pferden wurde regelmäßig die Lungenfunktion gemessen. Das Ergebnis: Der regelmäßige Kontakt – inklusive Reiten und Bürsten – verringerte die allergischen Atemwegsbeschwerden deutlich.

Je mehr Reitstunden wahrgenommen wurden, desto geringer wurden die allergischen Symptome. Sehr starke allergische Reaktionen seien nur in 72 von über 1300 Reitstunden aufgetreten, und dies vor allem bei den ersten zehn Terminen, berichten die Forschenden. 41 Männer und Frauen hatten sich zudem jährlich einem nasalen Provokationstest unterzogen. Dabei werden Pferdeallergene in die Nase verabreicht und die Reaktion darauf gemessen. Bei mehr als zwei Dritteln von ihnen traten durch den regelmäßigen Kontakt zu Curly Horses keine Beschwerden mehr bei diesem Test auf.

Immuntoleranz auch gegen andere Pferde

Der regelmäßige Kontakt zu Curly Horses führt dazu, dass Patient*innen mit Pferdehaarallergie eine Immuntoleranz entwickeln und weniger oder sogar nicht mehr auf Pferde reagieren, schließen die Autor*innen darau. Die Ursache dafür müsse noch weiter erforscht werden. Da im Blut der Studienteilnehmenden die IgG-Spiegel angestiegen sind, könnten blockierende IgG-Antikörper eine Rolle spielen.

Quellen: Ärzteblatt, Pneumologie

23.05.2024 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski | Foto: mauritius images / Anni Sommer / imageBROKER